„Fledermaus“ in München :
Orlofsky trägt jetzt Glitzerbart

Von Christian Gohlke
Lesezeit: 4 Min.
Schrill: Andrew Watts, Katharina Konradi, Georg Nigl, Markus Brück und Miriam Neumaier in München
Mit der „Fledermaus“ von Johann Strauß beweist Barrie Kosky an der Bayerischen Staatsoper: Auch ein einfallsreicher Witzbold kann zu einem Routinier des Schrillen werden.

Als Johann Strauß im Sommer 1873 daran ging, seine dritte Operette zu komponieren, kam die Arbeit zügig voran. In 42 Tagen soll die „Fledermaus“ entstanden sein. Möglich war das nur, weil Richard Genée für sein Textbuch auf die deutsche Übersetzung eines französischen Erfolgsstückes zurückgreifen und Strauß selbst sich aus der eigenen Schublade bedienen konnte, die reichlich noch nicht gebrauchtes Melodienmaterial enthielt. Aber die Stimmung im Lande war schlecht: Die Weltausstellung brachte dem Kaiserreich nach zwei verlorenen Kriegen nicht den gewünschten Erfolg, und der verheerende Börsenkrach der Gründerzeit riss zugleich die Wirtschaft in den Abgrund. Mehrfach musste die Uraufführung des neuen Stückes verschoben werden, bis es schließlich erst im Theater an der Wien, wenig später auch in Berlin und New York vom Publikum gefeiert wurde. Das war gerade unter solchen Umständen für einige Stunden Walzerglück empfänglich und dankbar.

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