Kosovo und Serbien :
Eine brandgefährliche Lage

Reinhard Veser
Ein Kommentar von Reinhard Veser
Lesezeit: 1 Min.
Carabinieri - als Teil der NATO-Friedenstruppe KFOR im Kosovo - stehen in Mitrovica an der Brücke in den serbisch dominierten Nordteil der Stadt.
Für EU und NATO wäre eine weitere Eskalation des serbisch-kosovarischen Konflikts ein großes Problem. Deshalb könnte Moskau ein Interesse daran haben.

Schon bevor Serbien seine Armee in Alarmbereitschaft versetzt hat, war die Lage im Kosovo brandgefährlich. In dem überwiegend von Serben bewohnten Nordteil des Kosovos wachsen die Spannungen seit Wochen so sehr, dass eine gewaltsame Konfrontation zwischen Albanern und Serben möglich scheint. An der Eskalation haben beide Seiten ihren Anteil. Da wie dort sind Entscheidungen getroffen worden, die von der anderen Seite als Provokation verstanden wurden.

Doch ist erkennbar, dass vor allem Serbiens Staatspräsident Aleksandr Vučić den Konflikt systematisch anheizt. Es sähe ihm ähnlich, wenn er damit nur ein riskantes Machtspiel austragen wollte. Doch so ist eine Situation entstanden, die leicht außer Kontrolle geraten kann.

Der Westen kann Einfluss nehmen

Es gibt eine Macht, der ein Wiederaufflammen der Gewalt auf dem Balkan keine Kosten und großen politischen Nutzen brächte: Russland. Ein Brand in diesem ganz von EU- und NATO-Staaten umgebenen Gebiet würde dem Westen erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Die Auseinandersetzung im Nordkosovo wird ohne Zweifel von lokalen Dynamiken angetrieben.

Doch die Vermutung liegt nahe, dass Moskau dort ein wenig zündelt. Der Westen muss nun schnell alles tun, um die Lage zu beruhigen. Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, hat er. Schließlich ist Serbien wirtschaftlich viel enger mit der EU verwoben als mit Russland.

Reinhard Veser
Reinhard VeserRedakteur in der Politik.

×