Schauspiel Frankfurt : Der neue Mensch, das alte Tier

Hart sind die Stufen, auf denen das Publikum sitzt. Stark ist der Tobak, den Michail Bulgakow in seiner Novelle den Lesern vorsetzt. Intensiv ist die Umsetzung dieses satirischen Stoffs, den Lilli-Hannah Hoepner den Besuchern zu nächtlicher Stunde im „Zwischendeck“ des Frankfurter Schauspielhauses bietet. Die Uhrzeit ist ebenso wie die (Nicht-)Bühne mitverantwortlich für die eigentümliche Atmosphäre, in die man hier eintaucht. Eine gespenstische Geschichte. Eine Groteske. Eine unwirkliche Farce. Die Schauspieler agieren gelegentlich, als hingen sie am Puppendraht.
Da sind der Professor und sein Adlatus, die es nach merkwürdigen Experimenten gelüstet. Und da ist der Hund, der ein Mensch wird, weil ihm unter anderem die Hypophyse eines soeben verschiedenen Mannes eingepflanzt wird. Özgür Karadeniz als Mann, der ein Hund war, oder als Hund, der ein Mann wurde, ist eine stattliche Erscheinung und ein armer Teufel zugleich. Er gibt das Unterwürfige ebenso beherzt wie das Übermütige, das den armen Hund beispielsweise beflügelt, nach einem Personalausweis zu verlangen.
Denn ohne ein solches Dokument ist man nichts, weiß der frisch operierte Vierbeiner, der zum Zweibeiner mutiert ist. Der Hund als Mensch wird zur Gefahr für die skrupellos der Wissenschaft hingegebenen Herren. Denn im Sowjetstaat haben die Angehörigen der höheren Stände für nichtsnutzige Versuche mit weitaus weniger Nachsicht zu rechnen als die Proletarier für irgendwelche Übertretungen. Man muss sich des Hundes entledigen: die einzige Aussicht, aus dem selbsterzeugten Schlamassel herauszukommen.
In dem Kammerstück spielt Wolfgang Gorks hinreißend den alten Professor, Bert Tischendorf gibt seinen so beflissenen wie auftrumpfenden Assistenten. Das Bühnenbild besteht im Wesentlichen aus einem durchsichtigen Vorhang, allerlei gläserne Gefäße hängen von der Decke, in denen sich etwa Würste befinden, an denen der Mann-Hund gerne schnuppert.
Wie in anderen Werken des russischen Autors finden sich auch in „Hundeherz“ zahlreiche Anspielungen auf den real existierenden Sozialismus sowjetischer Ausprägung, und der neue Mensch, der aus dem alten Hund hervorgegangen ist, verhält sich nach seiner Erschaffung spornstreichs, als habe er schon immer unter Genossen gelebt. Dabei bleibt der Hund im Herzen immer ein Hund – die Verhältnisse, sie sind halt so. Eine hübsche kleine Inszenierung für theaterhungrige Nachtschwärmer.